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Rapunzel 10/21

by Charlotte Radüg

Pages 2 and 3 of 24

Rapunzel 2021
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Es war einmal ein älteres Bauernpäarchen namens Maria und Klaus. Schon seit langem sehnte sich die Frau nach einem Kind. Die Trauer, die sie aufgrund ihres unerfüllten Traumes heimsuchte, schien sie langsam zu zerreißen. Über die Jahre wurde der Kinderwunsch immer größer und größer - ebenso wie der Kummer.
Schlussendlich trauerte sie so sehr, dass sie aufhörte zu essen. Nun wurde sie schwach und krank und Klaus machte sich sehr große Sorgen. Zu der Zeit, als Maria nur noch im Bett lag und ihre einzige Beschäftigung das Beobachten der Nachbarn war, sah sie, wie die alte Barbara von nebenan Feldsalat in ihrem Gemüsebeet anpflanzte. Maria schaute nun Tag für Tag zu, wie sich das Gewächs vermehrte - es lief ihr das Wasser im Mund zusammen und plötzlich war der Drang diese Blätter zu essen größer, als die Trauer um ihr nicht existentes Baby. Und eines Tages hielt sie es nicht mehr aus. Maria rief ihren Mann ins Zimmer: 
„Klaus, sieh aus dem Fenster heraus.“ Klaus beugte sich über das Bett und begutachtete die köstlichen Pflanzen. „ Pflücke mir ein paar von diesen Rapunzeln. Ich denke, sonst werde ich sterben…“
Der Mann zögerte und doch erfreute ihn der Gedanke, dass seine Frau wieder Appetit hätte. Da er sie über alles liebt, nahm er die Gefahr in Kauf.  
Noch in dieser Nacht lief Klaus in den Garten der Hexe Barbara. Schwungvoll sprang er über die Mauer, die des Hexes Garten umrandete. Schnellen, aber leisen, Schrittes ging er zum Rapunzelbeet und zupfte ein, zwei Salatblätter ab - und drei und vier. Er wurde gar übermütig und zog sie bis zu den Stängeln aus dem Boden.
„Meine Frau wird sich so freuen!“, flüsterte er vor sich hin und übersieht den Schatten der Alten.
,,Ey! Was machst du in meinem Garten?‘‘ 
Klaus erstarrte. Mit zitternder Stimme sagte er: ,,Entschuldigung, meine Frau sah Ihre Rapunzeln und bekam so einen Appetit. Bitte verhexen sie mich nicht!“ ,
Barbara atmete tief ein, sie dachte nach. „Na gut!’‘, sagte sie langsam: ,,Nimm dir so viele Rapunzeln wie du tragen kannst, doch eine Forderung habe ich.“ Der Mann stimmte sofort zu, was sollte er tun - den Garten umgraben? Das Haus neu streichen? „Gut, dann ist es abgemacht. Du gibst mir dein erstgeborenes Kind.“ Klaus erschrak. „ Des Fräuleins Wunsch nach einem Baby war in letzter Zeit gar nicht mehr so groß… sie wird es verkraften.“, kam er zu dem Schluss und lief mit beiden Armen voller Rapunzeln zurück zu seinem Haus. Diesmal durch das Tor.
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